Freunde des Wiligrader Schlosses e.V.
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Historisches und geschichtliche Ereignisse in Wiligrad

Schloss mit Garten und Tauffünte historisches BildSchloss mit Garten und Tauffünte - historisches Bild

70 Jahre nach dem 2. Weltkrieg

Das Barber-Lyaschenko-Abkommen

Tanz auf der TerrasseTanz auf der Terrasse vom Schloss WiligradAm 1. Juli 1945 übernahmen, wie zuvor im "Londoner Protokoll" festgelegt worden war, sowjetische Truppen die Gebiete Westmecklenburgs. Nach erfolgter Übernahme Westmecklenburgs nahm man an, dass keine weiteren Grenzverschiebungen mehr vorgenommen werden. Es kam jedoch anders.

General Barber, General Lyaschenko und General Polyanoff trafen sich am 20. Juni 1945 in Barbers Hauptquartier - im Schloss Wiligrad.

Sie feierten den Sieg über Nazideutschland, Arm in Arm tanzend auf der Schlossterrasse. Gemeinsam stießen sie, jeder mit einem Glas in der Hand, auf den Sieg über Deutschland an und ließen sich im Schlosspark fotografieren.

Das Treffen im Schloss war jedoch nicht nur eine Siegesfeier, sondern es ging auch um Grenzen und Machtbereiche.

Barber und Lyaschenko handelten im Auftrag ihrer Oberkommandierenden Montgomery und Rokossowski ein Abkommen über die Grenzverschiebung zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein aus.

 Am 3. 11. 1945 unterzeichneten sie in Gadebusch im "Goldenen Löwen" das "Barber-Lyaschenko-Abkommen, auch "Gadebuscher Abkommen" genannt.

Die Briten begründeten den Gebietsaustausch mit der strategisch ungünstigen Lage der Gebiete östlich des Schaalsees und der Orte Dechow und Thurow. Diese hatten nicht nur schlechte Straßenverhältnisse, sondern waren für sie auch schlecht erreichbar.

Die Situation in Lübstorf

Am Nachmittag des 2. Mai 1945 besetzten amerikanische Truppen Lübstorf. Die Amerikaner bezogen Quartier in der Bahnhofstraße, wo sie 3 Tage verblieben. Dann kamen die Briten. Ihre Kommandantur richteten sie in der alten Dorfschule ein. Für die Bevölkerung wurde eine Ausgangssperre von 19.00 - 7.00 Uhr verhängt. Die britischen Soldaten wohnten in den Wohnhäusern der Lübstorfer. Die Einwohner selbst schliefen in Scheunen, Ställen und Zelten. Erst nach der Kapitulation Deutschlands, am 8. 5. 1945, durften sie in ihre Wohnungen zurück.

Das Gefangenenlager im Gasthof "Kirschke" hatte sich vor dem Eintreffen der amerikanischen und englischen Truppen bereits selbst aufgelöst. Das deutsche Bewachungskommando setzte sich in Richtung Westen ab.

Die verbliebenen russischen Gefangenen wurden von den englischen Truppen an das sowjetische Militärkommando übergeben. Einige von ihnen hatten sich selbständig auf den Heimweg gemacht.

In Schloss Wiligrad war der Stab der 15. Schottischen Luftlandedivision unter General Colin Muir Barber einquartiert.

General Barber ließ am Hang hinter dem "Brotzke Hof" ein Lager für cirka 4000 deutsche Kriegsgefangene einrichten. Dort mussten sie ihre eigenen Unterkünfte in Erdhügeln ausheben und diese mit Holz aus dem Lager vom Bahnhof verkleiden. Die Angehörigen der SS (Schutzstaffel) waren  extra eingezäunt. Im 2. Weltkrieg kamen 32 Soldaten aus Lübstorf und Umgebung um. Sechs gelten als vermisst.

Die herzogliche Familie war nach Schleswig-Holstein geflohen.

Herzog Christian Ludwig und sein Vater Großherzog Friedrich Franz IV. besuchten im Juni 1945 das Schloss Wiligrad, um mit General Barber zu sprechen. Beide hatten gehofft, dass die Engländer in Mecklenburg bleiben würden.

Noch vor Abzug der britischen Besatzungseinheit wurde das Gefangenenlager hinter dem "Brotzke Hof" aufgelöst. Die Gefangenen gingen überwiegend nach Westdeutschland.

Ab 1. Juli 1945 übernahmen sowjetische Einheiten Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und den Westteil Mecklenburgs. Im Gegenzug rückten amerikanische, britische und später auch französische Truppen in das von der Roten Armee eroberte Berlin ein, wie es im "Londoner Protokoll" vom 12.09.1944 und in der "Berliner Erklärung" vom 5.6.1945 festgelegt worden war.

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Mecklenburgische Bauernhochschule Wiligrad in den Jahren 1922 - 1932

Der Zusammenbruch und die Umwälzung nach dem Kriege 1914 - 1918 schufen für das Bauerntum eine völlig veränderte Lage. Die Bauern sahen sich hilf- und machtlos gegenüber den bereits vor dem Krieg durchorganisierten wirtschaftlichen Organisationen und Berufsstände. die fürsorgliche Einstellung des Staates hatte aufgehört. Aus dieser Lage heraus ergab sich die Notwendigkeit eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses des Landvolkes.

Der Mecklenburgische Landesverein für innere Mission hatte aus diesem Grund das Kavaliershaus im Schlossareal Wiligrad, was auch "Waldhaus" oder später auch "Hospiz" hieß, von der Großherzoglichen Vermögensverwaltung gemietet. Dort wurden Schulungen und Freizeiten durchgeführt. In diesem Haus richtete man die Mecklenburgische Bauerhochschule ein.

Der Mecklenburgische Landesverein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege, gegründet im Dezember 1921, befasste sich mit ländlichem Bildungswesen und Volkstumpflege. Am 5. Januar 1922 wurde dann die "Evangelische Bauernhochschule" im "Hospiz" in Wiligrad mit 11 Kursteilnehmern eröffnet. Diese Weiterbildung zukünftiger Bauern dauerte 9 Wochen.

Zur wirtschaftlichen Absicherung der Weiterbildungen wurde am 01.07.1922 der "Verein Bauernhochschule für beide Mecklenburg e. V." gegründet. Durch die Bemühungen des Mecklenburgischen Landesverein für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege traten verschiedene Verbände diesem Verein bei. Zum Hauptunterstützer der Bauernhochschule wurde die Landwirtschaftskammer.

Im Jahre 1929 hatte der Verein Bauernhochschule für beide Mecklenburg 550 Mitglieder.

Nach Abschluss ihrer Fachschularbeit an der landwwirtschaftlichen Schule wurden die besten Schüler für die Bauernhochschule vorgeschlagen. Im "Hospiz" konnten ca. 40 Kursteilnehmer untergebracht werden. Es gab einen großen Unterrichtsraum und kleine Arbeitsräume. Die Schulungsarbeit begann immer im Herbst. Die Studentinnen waren meistens im Alter zwischen 17 und 23 Jahren und die Studenten zwischen 19 und 25 Jahren.

Auf Grund hoher Nachfrage wurde 1924 das Jagdtschloss Friedrichthal angemietet.

Es wurden folgende Fächer unterrichtet:

  • Lebenskunde
  • Deutsche Geschichte
  • Deutsche Literatur
  • Biologie
  • Gymnastik
  • Volkslieder und Volkstanz
  • Spiel und Sport
  • Geschichte des deutschen Bauernstandes
  • Gegenwartsfragen unseres Glaubens
  • Wirtschaftsgeografie
  • Staatsbürgerkunde
  • praktische und theoretische Haushaltskunde
  • Genossenschaftswesen
  • Kunstweberei und Grundfertigkeit
  • Säuglingspflege und Gesundheitslehre

Sport stand an erster Stelle, man unternahm auch Radtouren oder Wasserwanderungen über mehrere Tage.

Wulf 5 300dpi farbigBauerhochschülerinnen an der Elisabethquelle

Foto: E. Wulf 1924

 Wulf 1 300dpi farbigFoto: E. Wulf, geb. Robrahn, 1924 Bauernhochschülerinnen in Tracht