Freunde des Wiligrader Schlosses e.V.
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Die Elisabeth-Quelle - ein schützenswerter Geotop!

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Dr. Werner Schulz:
Die Elisabeth-Quelle - ein schützenswerter Geotop!
Im Vorfeld der 2014 abgeschlossenen Sanierung des Schlossparks Wiligrad untersuchte der international hochgeschätzte Eiszeit-Geologe, der Schweriner Dr. Werner Schulz (11.08.1932-21.12.2018), mit wissenschaftlicher Akribie die Wiligrader Elisabeth-Quelle. Der Experte ordnete die seltene Quelle mit ihrem Sinterhang am Steilufer des Schweriner Außensees wegen ihrer Besonderheiten und Einmaligkeiten in die Liste der schützenswerten Geotope ein und verglich sie mit den wenigen ähnlichen Vorkommen in Deutschland.
Das Ergebnis seiner Forschungen und Recherchen fasste er in dem nachfolgenden Aufsatz zusammen, den er dem Verein der Freunde des Wiligrader Schlosses e.V. zur Verfügung stellte.
Außerdem vermittelte er seine Erkenntnisse mehrere Jahre lang am Tag des offenen Denkmals jeweils mit einem Vortrag vor Ort einem interessierten Publikum.
So ist es auch ihm zu verdanken, dass diese Naturseltenheit immer wieder ein gern besuchtes Ziel von Gästen des Schlossensembles Wiligrad ist.
Die geologische Bedeutung der Elisabeth-Quelle unterhalb des Schlosses Wiligrad nördlich von Schwerin
Von Dr. Werner Schulz
Der zwischen 1896 und 1903 angelegte Landschaftspark um das Schloss Wiligrad 12 km nördlich von Schwerin soll nach jahrzehntelanger, zweckentfremdeter Nutzung wieder in seinen alten Zustand zurückgeführt werden. Dazu wird nicht nur die ursprüngliche Anlage wiederhergestellt; es werden auch neue Aspekte der Parkgestaltung erwartet und dem Besucher nahe gebracht, wie z.B. die Elisabeth-Quelle mit ihrem interessanten Abfluss des Quellwassers.
Aus geologischer Sicht liegt Wiligrad im Bereich der welligen Grundmoräne. Die dazu gehörende Endmoräne kann man vom Paulsdamm aus nach Süden bei Neumühle-Zippendorf-Raben Steinfeld gut erkennen.
Das Schloss Wiligrad liegt etwa 60 m über dem Meeresspiegel. Unmittelbar östlich des Schlosses fällt die Hochfläche in einem Steilufer zum Schweriner See ab, dessen Spiegel heute bei 37,6 m über dem Meeresspiegel liegt. Auf diesem alten Steilufer hat sich ein Rotbuchenhochwald mit Perlgras, Waldmeister, Knoblauchrauke, Teufelskralle und anderen Arten bindiger Böden (Geschiebemergel) entwickelt.
Offenbar streichen an diesem alten Steilufer zwei übereinander liegende Geschiebemergel aus, die an der Elisabeth-Quelle sowie in dem Tälchen am Südrand des Parks durch einen Schmelzwassersand getrennt werden. Dieser Schmelzwassersand führt Grundwasser, das am Steilufer in der Elisabeth-Quelle austritt.
Die im Taustabstil der Neorenaissance wiederhergestellte Quelle (Abb. 1) schüttet gegenwärtig etwa 2 Liter Wasser in der Minute aus. Das Wasser ist von guter Qualität und kann von Besuchern bedenkenlos getrunken werden.
Interessant ist nicht nur die Quelle selbst sondern auch der Abfluss des nicht genutzten Wassers. Es sickert nämlich am Hang des alten Steilufers hinab zum Schweriner See. Dabei werden die dort wachsenden Laubmoose von Kalk überkrustet. Wie ist dieser Vorgang zu erklären? Die Niederschläge sickern langsam durch den oberen Geschiebemergel hindurch, lösen dabei den Kalk auf und reichern sich so mit Kalk (CaCO3) an.
Im Schmelzwassersand bildet sich mit der Bodenluft das Kalziumbikarbonat [Ca(HCO3)2]. Sobald das Grundwasser dann am Hang in Form einer Quelle austritt, entweicht aus dem instabilen Kalziumbikarbonat das Kohlendioxid [CO2]. Es bildet sich das stabile Kalziumkarbonat [CaCO3]. Dieses Entweichen von CO2 kennt jeder, der eine Brauseflasche öffnet. Die Löslichkeit des Kalziumkarbonats in Wasser ist geringer als die des Kalziumbikarbonats.
Das Kalziumkarbonat fällt deshalb beim Rieseln über das alte Steilufer aus und überkrustet die Vegetation. Die Moose erhalten eine hellgraue Kruste und sterben ab; es entsteht ein Gehänge-Sinter (Abb.2). Die Kalkschicht ist trotz ihres geringen Alters so stark verkrustet, dass es nicht gelang, mit einer Bohrstange diese Schicht zu durchteufen. Am Südrand des Parks tritt in einem Kerbtälchen eine weitere Quelle aus. In einem kleinen Quellsumpf konnte der wasserführende Schmelzwassersand erbohrt werden. Zwei alte Fundamente lassen vermuten, dass man früher auch hier versucht hat, das Quellwasser zu fassen. Heute wird es in einem Kunststoffrohr in den Schweriner See abgeleitet. Der Vorgang der Sinterbildung ist im Jungmoränengebiet Norddeutschlands selten zu beobachten, früher z. B. an der Bornmühle und im Kellerholz bei Teterow, in einem Tal bei Klocksin, im Hellgrund bei Klein Rehberg südwestlich Malchin, am Klütz-Höved sowie mehrfach an der Kreideküste von Jasmund.
Ein berühmtes Vorkommen von Kalksinter lag am Ostufer des Kellersees nördlich Eutin. Der hier stärker verfestigte Kalk wurde abgebaut und zu Platten gesägt; mit diesen Platten hat man den Tempel für Carl-Maria von Weber im Park von Eutin verkleidet.
Weit größere Vorkommen von Kalksinter mit höherer Festigkeit (dann Travertin genannt) treten im kalkreichen Thüringer Becken auf. Bekannt sind die großen Steinbrüche von Weimar-Ehringsdorf und Burgtonna bei Bad Langensalza. Hier werden große Blöcke von Travertin herausgesprengt, gesägt und als Verkleidung von Fassaden verwendet.
Die wenigen Vorkommen von Kalksinter in Mecklenburg-Vorpommern sind zwar quantitativ unbedeutend, gehen aber auf den gleichen geologischen Vorgang zurück. Als seltene Gesteinsbildung verdienen sie, geschützt zu werden.
Der Hang unterhalb der Elisabeth-Quelle sollte deshalb frei von Bäumen und Büschen gehalten und von jeder Veränderung durch den Menschen ausgenommen werden. Der von Schachtelhalm umrahmte Sinterhang bildet einen in Mecklenburg seltenen und deshalb schützenswerten Geotop.

Eine historische Aufnahme der gemauerten Elisabeth-Nische mit der Elisabeth-Quelle, davor eine steinerne Bank und ein steinerner Tisch. (Archiv Rolf Seiffert)Eine historische Aufnahme der gemauerten Elisabeth-Nische mit der Elisabeth-Quelle, davor eine steinerne Bank und ein steinerner Tisch. (Archiv Rolf Seiffert)
 Dr.Werner Schulz erklärt die ElisabethquelleDer Eiszeit-Geologe Dr. Werner Schulz (Bildmitte) erklärt seinen Gästen an einem Tag des offenen Denkmals die Besonderheiten der Elisabeth-Quelle. Foto:-Iris Müller-Michael