Freunde des Wiligrader Schlosses e.V.
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Biografie Johann Albrecht

Der Bauherr Johann Albrecht, Herzog zu Mecklenburg

1857, 8. Dezember, geboren im Schloss Schwerin als 5. Kind des Großherzogs Friedrich

Franz II. und der Großherzogin Auguste, Geburt morgens 3 Uhr 30 Min. im Schloss, „Entbindung von einem gesunden Prinzen, dem ersten in diesem Schlosse seit dem 10. Dezember 1756, dem Geburtstag von Großherzog Friedrich Franz." (Mklbg K 5125 a)

  • 1886 Heirat mit Elisabeth, Tochter des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach
  • 1895-1920 Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft
  • 1897-1901 Regent des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin
  • 1898 ff. Vorsitzender der Wohlfahrtslotterie
  • 1900 ff. Vorsitzender des Auskunftsbeirats der Zentralauskunftsstelle für Auswanderer
  • 1901 ff. Chef des Großherzoglich-Mecklenburgischen Jäger-Bataillons Nr.14
  • 1901 Ehrendoktor aller 4 Fakultäten der Universität Rostock
  • 1907-1913 Regent des Herzogtums Braunschweig
  • 1908 Tod der Herzogin Elisabeth von Sachsen-Weimar-Eisenach (1854-1908)
  • 1909 Heirat mit Elisabeth, Tochter des Grafen Botho zu Stolberg-Roßla (1885-1969)
  • 1913 Ehrendoktor-Ingenieur der Technischen Hochschule Braunschweig
  • 1917 ff. Ehrenvorsitzender der Deutschen Vaterlandspartei
  • 1920, 16. Februar Tod des Herzogs, Beisetzung im Doberaner Münster

Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg (1857-1920) - Ausführliche Biografie

Johann Albrecht wurde als 5. Kind des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin und der Großherzogin Auguste (geb. Prinzessin von Reuß-Schleiz-Köstritz) am 08. 12. 1857 im Schweriner Schloss geboren. Ab 1872 besuchte er das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden. Danach studierte er in Bonn Jura und Philosophie und trat später in preußische Militärdienste, wo er den Titel eines Generals der Kavallerie a la suite erwarb.
Am 6. November 1886 heiratete der Herzog die 22-jährige Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar, Tochter des Großherzogs Carl Alexander von Sachsen – Weimar – Eisenach und der königlichen Prinzessin Sophie der Niederlande. Im Herbst 1882 nahm er einen fast zweijährigen Urlaub, um eine Weltreise anzutreten, die ihn u.a. in die Türkei, nach Ägypten, Indien, Siam, China und Japan führte. Über den Stillen Ozean quer durch Nordamerika kam er in die Heimat zurück. Mit vielen von seiner weiten Reise mitgebrachten Souvenirs und Geschenken gestaltete er die Räumlichkeiten im Schloss Wiligrad.

Konsequent setzte er sich für eine praktische Kolonialpolitik ein und übernahm ab 15. 01. 1895 das Amt des Präsidenten der deutschen Kolonialgesellschaft. Seit 1898 führte er den Vorsitz der Wohlfahrtslotterie. 1895 unternahm er mit seiner Gemahlin eine Reise nach Ceylon und Deutschostafrika.

Am 10. 04. 1897 verstarb sein Bruder, der Großherzog Friedrich Franz III., in Cannes. Er hinterließ aus seiner Ehe mit Anastasia, der Tochter des Großfürsten Michael von Russland, zwei Töchter und den noch minderjährigen Sohn Friedrich Franz IV. (1882 - 1945). Für ihn übernahm nun Herzog Johann Albrecht die Vormundschaft und Regentschaft des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin von 1897 – 1901. In dieser Zeit (1896 – 1898) baute er das Schloss Wiligrad ganz nach seinen Wünschen und Vorstellungen.

Mit seiner Regentschaft verbunden sind u.a. folgende bemerkenswerte Rechtsvorschriften, Höhepunkte und Maßnahmen:

  • die längst fällige Feuerlöschordnung
  • die Verordnung zur Vermehrung des mittleren und kleineren Grundbesitzes auf dem platten Lande (Einrichtung von Bauernhochschulen)
  • die neue Schulgesetzgebung für die Land- und Bürgerschulen mit der Einführung der mecklenburgischen Geschichte in den Lehrplan
  • die Restaurierung und Erneuerung zahlreicher kirchlicher Gebäude (u.a. Doberaner Münster)
  • 1899 der 350. Gedenktag der Reformation (Einführung der Lehre des Evangeliums am 20. Juni 1549 an der Sagsdorfer Brücke durch die Stände und die Herzöge Heinrich und Johann Albrecht zu Mecklenburg (1525 – 1576).
  • Errichtung von Bauerngehöften in neu-niederdeutscher Bauweise (z.B. Görslow, Lützow)
  • 12.10.1897 Eröffnung der Eisenbahnstrecke Schwerin – Gadebusch – Rehna
  • 02.04.1898 Anordnung an alle Gemeinden zur Führung einer Pfarrchronik
  • Im April 1900 unterzeichnete Herzog-Regent Johann Albrecht den Staatsvertrag zwischen Mecklenburg und Dänemark über die Einrichtung der Eisenbahnfährverbindung Warnemünde – Gedser.
  • 1900 gründete Herzog-Regent Johann Albrecht das mecklenburgische Bergamt in Hagenow

Johann Albrecht erhielt als einziger Fürst die Ehrendoktorwürde aller vier Fakultäten der Universität Rostock.

Am 05. Juni 1907 wurde Herzog Johann Albrecht vom Kaiser Wilhelm II. zum Regenten des Herzogtums Braunschweig ernannt. Diese Regentschaft übte er bis zum 01.11.1913 aus. 1908 starb seine Gemahlin Elisabeth. Sie wurde im Münster zu Bad Doberan beigesetzt.
Am 15. Dezember 1909 heiratete er die Prinzessin Elisabeth zu Stolberg – Roßla im Schloss zu Braunschweig. In Braunschweig ernannte man ihn zum Ehrendoktoringenieur der Technischen Hochschule Braunschweig.

Zu seiner Verabschiedung 1913 erhielt er von den Braunschweigern zwei wertvolle Geschenke: eine aus Silber gefertigte ca. zwei Meter große Nachbildung des Altmarktbrunnens und einen Nachguss des welfischen Löwen. Der Löwe stand bis Anfang der fünfziger Jahre vor dem Wiligrader Schloss, wo am 8. Oktober 2014 als Abschluss und Krönung der Sanierung des Schlossparks Wiligrad eine neue Nachbildung in Originalgröße enthüllt wurde.

Der erste Weltkrieg brachte den Verlust der Monarchie. Friedrich Franz IV. musste im November 1918 abdanken. Die deutschen Kolonien gingen verloren und damit auch das Lebenswerk von Johann Albrecht. Er zog sich mehr und mehr in Wiligrad zurück, wo er am 16. Februar 1920 starb. Seine letzte Ruhestätte fand er im Bad Doberaner Münster an der Seite seiner ersten Frau. Seine zweite Gemahlin heiratete 1924 einen Halbbruder von Johann Albrecht, den Herzog Adolph Friedrich, im Schloss zu Ludwigslust.

Quelle: Archiv Verein der Freunde des Wiligrader Schlosses e.V.